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Fachartikel aus W&S 1/2009, S. 14 bis 15

Risikoposten Warenschwund

Globales Diebstahlbarometer für den Einzelhandel

Im Einzelhandel steigt der prozentuale Anteil des Warenschwunds am Umsatz. Die Folgen: höhere Preise und Wirtschaftlichkeitsdefizite. Bei abnehmender Konjunktur wächst der Druck, das Problem in den Griff zu bekommen.

Bild: Checkpoint Systems
Der Anteil von Warenschwund am Umsatz ist in Deutschland das zweite Jahr in Folge angestiegen: 2008 kostete Warenschwund den Einzelhandel rund 4,7 Milliarden Euro. (Bild: Checkpoint Systems)

Nach der jüngsten Ausgabe des Globalen Diebstahlbarometers, einer weltweiten Studie des britischen Centre for Retail Research, betrugen die durch Diebstahl im deutschen Einzelhandel verursachten Kosten im letzten Jahr rund 4,7 Milliarden Euro. Gemessen am Umsatz beträgt die Schwundrate 1,13 Prozent ein Anstieg von über fünf Prozent innerhalb der letzten zwei Jahre. Deutschland steht damit aber nicht alleine da. In Europa kostete Warenschwund den Einzelhandel von Juli 2007 bis Juni 2008 rund 27,4 Milliarden Euro (1,27 Prozent vom Umsatz). Weltweit zahlte der Einzelhandel sogar 71,165 Milliarden Euro.

Unehrliche Kunden

Betrachtet man die durch Kriminalität verursachten Gesamtkosten, fällt die Belastung für den Handel sogar noch höher aus. Weltweit stiegen sie im gleichen Zeitraum um 3,201 Milliarden Euro auf 76,803 Milliarden Euro. Neben den Kosten für Warenschwund (ohne interne Fehler) sind darin auch die Aufwendungen für Sicherungsmaßnahmen enthalten. „Die Summe repräsentiert eine Abgabe von 157 Euro pro Haushalt oder 52 Euro pro Person in den 36 befragten Ländern“, veranschaulicht Professor Joshua Bamfield, Direktor des Centre for Retail Research. Vom Schwundproblem betroffen sind alle Branchen. Gestohlen wird, was klein und teuer sowie besonders attraktiv für den Wiederverkauf ist: Weine und Spirituosen, Kosmetik, Damenbekleidung, Parfum, Rasierklingen, DVDs und Videospiele sowie hochpreisige Lebensmittel gehören bei den Dieben zu den Rennern. Hinzu kommen die jeweils aktuellen Verkaufsschlager

Betrügerische Mitarbeiter

Insgesamt gehen in Deutschland 2,49 Milliarden Euro der Kosten für Warenschwund auf das Konto von Kunden (53,2 Prozent). Mitarbeiter sind für 1,26 Milliarden Euro des Schadens verantwortlich (26,9 Prozent), gefolgt von internen Fehlern (13,9 Prozent) und Lieferanten (sechs Prozent). Im europäischen Vergleich stehen Deutschlands Ladendiebe damit auf Platz drei: lediglich in Österreich (56,5 Prozent) und Griechenland (54,6 Prozent) haben unehrliche Kunden einen noch größeren Anteil am Warenschwund.

Europaweit gesehen ist besonders der Anteil von unehrlichen Mitarbeitern angestiegen. Auf ihr Konto gehen insgesamt rund 8,5 Milliarden Euro des Schadens. Den Löwenanteil hatte davon der Warendiebstahl (2,6 Milliarden Euro). An zweiter Stelle steht die Entwendung von Bargeld, Gutschriften oder Geschenkgutscheinen (2,3 Milliarden Euro), gefolgt von Erstattungsbetrug und unzulässigen Preisminderungen (1,8 Milliarden Euro), betrügerischen Absprachen (1,1 Milliarden Euro) und groß angelegtem finanziellem Betrug (0,7 Milliarden Euro).

Ungesicherte Waren

Diebe sind jedoch keineswegs immer erfolgreich: Dank Sicherungsmaßnahmen und verbesserter Prozesse fassten Einzelhändler in Europa im letzten Jahr insgesamt 2,8 Millionen Diebe. Rund 97 Prozent der gefassten Täter waren Kunden, drei Prozent Mitarbeiter. Unehrliche Kunden stahlen dabei im Durchschnitt für 74 Euro, die Beute von Mitarbeitern schlug durchschnittlich mit 2142 Euro zu Buche.

Gestohlene Waren im Einzelhandel

1. Weine und Spirituosen
2. Kosmetika und Hautpflegeartikel
3. Damenbekleidung
4. Parfum und Eau de Toilette
5. Rasierklingen
6. DVDs und Spiele
7. Kinderbekleidung
8. Modische Accessoires
9. Designer-Mode
10. teure Lebensmittel

Das Einsparpotential ist für den Einzelhandel dennoch beträchtlich. Denn laut Globalem Diebstahlbarometer werden mehr als ein Drittel der 50 am häufigsten gestohlenen Waren nicht speziell gegen Langfinger geschützt. Dabei können sich spezielle Sicherungen gleich in doppelter Hinsicht bezahlt machen, wie Dirk Endlich, Deutschland- Chef von Warensicherungsspezialist Checkpoint Systems, verdeutlicht: „Die Aufgabe von Sicherungssystemen ist es heute nicht nur, Diebstahl zu verhindern, sondern auch den Absatz zu fördern.“ So ermöglichen moderne Systeme zur elektronischen Artikelsicherung, dass Kunden weiterhin einen offenen Zugriff auf die Waren haben, diese anfassen und ausprobieren können. „Kaufentscheidungen werden in der Regel am Point of Sale getroffen. Wer Waren vor seinen Kunden in Vitrinen wegsperrt, verhindert zwar, dass diese gestohlen werden, lässt aber gleichzeitig Umsatzchancen aus“, so Endlich weiter.

Quellensicherung

Bild: Checkpoint Systems
Weine und Spirituosen sind unter Langfingern am beliebtesten. Spezielle Sicherungen verhindern nicht nur den Diebstahl, sondern auch unerwünschtes Öffnen der Flaschen im Geschäft. (Bild: Checkpoint Systems)

Immer mehr Händler setzen daher auf die Sicherung der Waren ab Herstellung, die sogenannte Quellensicherung. Bereits 2007 erklärten fast 60 Prozent der an der Erhebung zum Globalen Diebstahlbarometer teilnehmenden Einzelhandelsunternehmen, dass sie zur Eindämmung des Schwunds entweder bereits auf dieses Instrument zurückgreifen oder es bis zum Jahr 2010 beabsichtigen. Der diesjährigen Studie zufolge liegt der aktuelle Anteil bei rund zehn Prozent.Für besonders diebstahlgefährdete Produkte liegen zudem Spezialsicherungen wie Boxen oder Alpha-Mehralarm- Sicherungen im Trend. Sie lösen nicht nur einen Alarm der Sicherungsantennen aus, sobald jemand das Geschäft mit einem gesicherten Produkt verlässt. Das Sicherungselement beginnt auch selbst zu schrillen und erzeugt eine hohe Aufmerksamkeit bei vorbeilaufenden Passanten, so dass viele Diebe ihre Beute lieber wegwerfen anstatt mit ihr lautstark zu flüchten.

Sicherheitsetiketten

Auch technologisch erhalten die Einzelhändler immer neue Möglichkeiten, Langfingern den Garaus zu machen, ohne ehrliche Kunden zu vergraulen. So werden Sicherungsetiketten auf der einen Seite immer kleiner, während sich auf der anderen Seite ihre Erkennung durch die Antennen an den Geschäftsein- und -ausgängen weiter verbessert. „Nutzt man die Möglichkeit, die Antennen unseres Sicherungssystems Evolve mit anderen Peripherie-Geräten wie Kundenfrequenzzählern zu vernetzen, können wichtige Informationen über das Verhalten der Kunden und die Leistungsstärke einer Filiale erbracht werden“, erklärt Dirk Endlich von Checkpoint Systems.

Das Globale Diebstahlbarometer
Das Globale Diebstahlbarometer ist eine jährliche Studie des Centre for Retail Research in Nottingham (Großbritannien) zu den Ursachen und Kosten des globalen Warenschwunds. Die aktuelle Studie basiert auf einer Befragung von 920 Einzelhändlern in 36 Ländern, die zusammen einen Umsatz von 554,334 Milliarden Euro erwirtschafteten und mit 115.612 Standorten vertreten sind. Alle Angaben in dem Report beziehen sich auf den zwölfmonatigen Zeitraum bis einschließlich Juni 2008.

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